Erster Test

Erster Test des Celus Herrenrad

Text: Jens, Fotos: Fahrradmanufaktur Ostend

Die Einladung zum Test kam per Telefon und überraschte uns, da wir bis dahin noch nicht von der Existenz dieser Marke wussten.

Celus, so nennt die Frankfurter Fahrradmanufaktur Ostend ihre aktuelle Kreation. Es handelt sich um ein Herrenrad im klassischen Vintagestil. Die Besonderheit der Fahrräder aus der Frankfurter Fahrradschmiede ist die Kombination eines Stahlrahmens aus den 70er und 80er Jahren mit modernen und hochwertigen Komponenten. Der Rahmen selber wird an entscheidender Stelle mechanisch überarbeitet und für den Betrieb mit neuzeitlichen Equipment vorbereitet. Für die optische Präsenz wird der Rahmen gereinigt und danach sandgestrahlt. Der Kunde kann aus rund 450 Fahrvarianten wählen. Der Lack selber wird als Pulver aufgetragen und dann im Ofen erhitzt. Zusammen mit dem nachträglich aufgetragenen Klarlack ergibt sich so eine ansehnliche Vorstellung.

Entsprechend gewappnet steht das Modell Celus nun vor uns. Und wir sind beeindruckt. Trotz ihres erst kurzen Bestehens ist es den Leuten um Ralph Täubert gelungen ein sehr elegantes Fahrrad auf die Beine zu stellen. Die Komposition aus Rahmengeometrie, Farbwahl und Komponentenausstattung besticht und ergibt eine filigrane, leichte und sportliche Note. Dies ist umso beachtlicher, da die Anzahl von optischen Stellmöglichkeiten bei klassischen Vintagerädern relativ begrenzt ist. Doch durch kleine aber entscheidende Feinheiten ist es gelungen Celus aus der Masse der vorhandenen Konkurrenzmodelle herauszuheben.

Die Wahl der Komponenten ist überlegt und bis ins Detail durchdacht um dem Vintageanspruch gerecht zu werden. Hier regiert kein Rotstift. Die Ausstattungslinie wirkt homogen und wird nicht durch einfache Accessoires und Anbauteile unterbrochen wie es oft bei den Mitbewerbern zu beobachten ist. Nichts erscheint billig oder deplatziert. Alles ist aufeinander abgestimmt, sei es die Beleuchtung, die Brems- oder Schalthebel, der Lenker oder der Vorbau bzw. die Klingel oder die Felgen.

Wie fährt sich aber nun das Rad und wie schlägt sich solch ein „alter Rahmen“ im Umfeld moderner und rund 30 bis 40 Jahre jüngerer Mitbewerber? Wir müssen zugeben, dass wir im Vorfeld einige Zweifel hatten. Ralph Täubert berichtete uns, dass gerade hierin die Herausforderung lag, aber auch etliches an Gehirnschmalz nötig war die modernen Komponenten optisch und fahrtechnisch optimal in den Rahmen zu integrieren.

Um es gleich vorweg zuschicken, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Schon nach den ersten Metern sind unsere anfänglichen Bedenken verschwunden. Eine beeindruckende Steifigkeit, ein präzises Lenkverhalten und ein fulminanter Antritt sorgen für einen sportlichen Fahrstil. Zwei Faktoren sind dafür besonders entscheidend. Bis auf das Lenkkopflager und somit den Steuersatz befinden sich ausnahmslos neuwertige Komponenten im Einsatz. Dies gilt unter anderem für Tretlager, Schaltung, Naben und Bremsen. Aber selbst der übernommene Steuersatz wurde durch mechanische Feinarbeit nachbearbeitet und sorgt so gleichzeitig für eine optimierte Lenkpräzession und wie auch eine erhöhte Steifigkeit des Rahmens.

Das gute Beschleunigungsvermögen hätte man in dieser Form dem Rad eigentlich nicht zugetraut. Aber das Gerät ist mit rund 12kg leicht und die verbauten neun Gänge aus dem Shimano XT Regal schalten sich präzise. Beindruckt hat uns auch das fast lautlose Gleiten. Nur ein leises wohlklingendes Surren der Kette ist zu hören. Durch den Verzicht auf unnötige Anbauteile wirkt das Rad sehr aufgeräumt und hinterlässt einen cleanen Eindruck. Qualitätsmängel wegen des quasi „gebrauchten“ Rahmens sind keine vorhanden. Mechanisch präsentiert sich das Stahlrohr einwandfrei und Lackierung und Finish liegen auf aktuellem Industriestandard. Ausstattungsseitig kann das Rad, wie heute üblich mit Schutzblechen, Licht und Kettenschutz nachgerüstet werden.

Final ist zu sagen, dass hier solide Arbeit geleistet wurde. Der Kunde bekommt keinen Prototypen sondern ein ausgereiftes und voll einsatzfähiges Rad gestellt welches optisch dem gängigen Vintagestil folgt, in machen Details aber eine eigene individuelle Note bereitstellt und sich optisch somit von der Masse abheben kann. Fahrtechnisch gibt es keine Beanstandungen und preislich liegt das Rad im Mittel der Mitbewerber. Unserer Meinung nach ist Celus eine Anschaffung wert.